Fahrbericht Challenge Furai 24

Das Furai im SchneeAuf der Spezi 2006 in Germersheim wurde ich am Challenge Stand auf ein "fliegendes" Liegerad aufmerksam. An Nylonfäden war ein Fujin SL2 unter die Decke gehängt und flog sozusagen über den Stand. Da ich bereits seit langem nach einem radmarathontauglichem Liegerad suchte, hatte mich der Bazillus schnell angesteckt, und noch im gleichen Jahr nannte ich den 9,1kg leichten Tieflieger mein Eigen. Im Fahrbetrieb besticht das Fujin durch eine perfekte Biomechanik, so dass die Tretbewegung ideal in Vortrieb umgesetzt wird. Und mit dem geringen Eigengewicht ist das Erstürmen deutscher Mittelgebirge ein Kinderspiel.

Im Alltag bewegte ich zu der Zeit eine Streetmachine GT von HP Velotechnik. Hier gefiel mir, nachdem ich das Fujin kennen gelernt hatte, nicht mehr die biomechanische Auslegung. Für den Alltag wünsche ich mir ein Liegerad, das meinen sportlichen Ansprüchen mehr entgegen kam.

Im Sommer 2008 entdeckte ich dann auf der Challenge Homepage das Furai mit 24'' Laufrädern. Es wurde als ideales Rad beschrieben, um im regionalen Verkehr schnell Strecken zurücklegen zu können, kombiniert mit einer Sitzposition, die im Großstadtdschungel die nötige Übersicht gewährleistet. Da ich unbedingt mehr über das Furai wissen wollte, rief ich bei Challenge an. Bei Paul Voerman traf ich auf offene Ohren, weil er daran interessiert war, wie er das Furai perfekt auf die Kundenwünsche zuschneidern kann. So erfuhr ich, dass die Geometrie an der des Fujin angelehnt ist (perfekt, genau so hatte ich es mir gewünscht). Die Tretlagerüberhöhung von 24 cm entspricht der des Fujin, die Sitzhöhe ist aber um 13 cm auf 46 cm angehoben. Im Gespräch kam ich schnell zu der Überzeugung, dass das Furai mein neues Alltagsrad werden würde. Mit dem Radhändler meines Vertrauens („Bike World Brand“ in Euerdorf), bei dem ich auch schon mein Fujin SL2 erworben hatte, sprach in noch einige Details ab, worauf er sogleich Kontakt mit Challenge aufnahm. Noch in der ersten Rahmenserie kam ich zum Zug, und konnte bereits im Herbst 2008 das Furai in meinem Fuhrpark begrüßen.

Der Autor auf dem FuraiIch hatte mich für eine alltagstaugliche Version mit Gepäckträger und Schutzblechen entschieden, kombiniert mit einigen schönen Leichtbauteilen wie Carbon-Kurbelsatz und -ausleger sowie SL Laufradsatz. Paul hatte zu der Zeit Schwalbe überzeugt Prototypreifen des Marathon Racer in 24'' in einer Kleinserie zu produzieren (nur 375 g pro Mantel!). Das letzte Paar davon konnte ich gerade noch ergattern. Als Antrieb kommt eine 3x9 Kettenschaltung X.7 von SRAM zum Einsatz, die Scheibenbremse Avid BB7 sorgt für die notwendige Verzögerung. Der Oberlenker war mir bereits vom Fujin vertraut und ich entschied mich weiter in der "betenden Hamsterstellung" unterwegs sein zu wollen.

Den Winter nutzte ich um das Rad perfekt auf mich anzupassen und kleinere Detailoptimierungen vorzunehmen. Diese Details habe ich an Paul weitergeleitet, so dass diese in die Serie einfließen können. Eine Akkulichtanlage wurde montiert und einen Rose-Seitenständer habe ich so modifiziert, dass er am Ausfallende das Rad abstützen kann. Voller Spannung trug ich am Ende das Rad auf die Waage: 14,6 kg! Ein super Wert für ein fahrbereites Rad in Vollausstattung (u.a. mit Pedalen, Spiegel, Flaschenhalter, Tacho, Licht, Schutzblechen, Gepäckträger)!

Trotz Eis und Schnee wagte ich die ersten Touren mit dem Rad. Die Sitzposition ist sehr angenehm. Die Füße erreichen vollflächig den Boden (bei 1,83m Körpergröße) und sorgen ohne "Getänzel auf der Fußspitze" für einen sicheren Stand. Die Biomechanik passt hervorragend und das Rad fährt fast von alleine die Berge rauf. Durch die 24'' Laufräder hat das Rad einen stabilen Geradeauslauf und vermittelt jederzeit ein sehr sicheres Fahrgefühl. Bei der Wendigkeit sind allerdings leichte Abstriche zu machen. Die Füße können bei engen Wendungen mit dem Vorderrad kollidieren. Die Schutzbleche verschärfen dieses Risiko nochmals. Aber daran sind wir Liegeradfahrer ja schon lange gewöhnt.

In voller FahrtDer Fahrkomfort hingegen ist gut. Die Schwalbe Marathon Racer in 35 mm Breite nehmen schon die ersten Rauhigkeiten der Straße auf und rollen leicht ab (Liebe Entwickler von Schwalbe: Den Racer in 24'' müsst ihr unbedingt in Serie bringen oder aber den Kojak in 24’’ auflegen). Grobe Schläge werden von der Hinterbaufederung gut geschluckt und wohl (auch) durch den Magnesium Anlenkhebel gut bedämpft. Dass vorne keine Federung montiert ist habe ich persönlich noch nicht vermisst. Ganz im Gegenteil: Nur mit Hinterradfederung ist ein guter Fahrkomfort erzielt, ohne dass das Rad immer so rumschaukelt wie ein Wüstenkamel. Kopfsteinpflaster dringt aber trotzdem mit Vibrationen zum Fahrer durch, die ich aber für akzeptabel halt. Mir ist es lieber eine gewisse Härte zu spüren, als durch die Federung zu viel Geschaukel und Elastizität zu erkaufen.

Ein schönes RadVom Speed her reicht das Furai nicht ganz an das extreme Fujin heran. Dennoch sind Geschwindigkeiten von 25-30 km/h in der Ebene bereits bei mäßiger Anstrengung im Grundlagenbereich die Regel. Somit ist wirklich der Spagat zwischen Speed und Übersicht geschafft. Das Rad ist schnell und trotzdem ist man als Fahrer des Furai mit den Autofahrern auf Augenhöhe, so dass auch das innerstädtische Fahren mit einem Sicherheitsplus zu bewältigen ist. Allein die Spritzigkeit des Fujin wird nicht erreicht. Hier machen sich im Vergleich doch das höhere Gesamtgewicht sowie die schwereren Laufräder mit Trekking-Bereifung bemerkbar. Daher fährt sich das Rad im Vergleich zum Fujin etwas träge.

Mittlerweile bin ich ca. 1200 km mit dem Rad gefahren und bin begeistert. Komfort und Übersicht sind hervorragend, der Speed ist gut. Direkte Vergleiche mit Rennradfahrern ergaben eine in etwa vergleichbare Aerodynamik, wenn der Rennradfahrer sich klein macht. Fahrten bei Regen sind auch gut möglich. Die Schutzbleche halten wirkungsvoll das Wasser vom Fahrer fern, so dass ich auch schon einige Touren bei Regen gemacht habe. Bei meinen Radmarathons entscheide ich nun immer nach Wetterbericht, ob ich mit dem Fujin oder doch dem Furai an den Start gehe. Und wenn es demnächst bei den Radmarathons regnet, dann freue ich mich schon darauf ganz relaxt, sicher und ohne Dauer-Regenwasser-Beschuss mit dem Furai dort an den Start zu gehen, ohne zu viel Tempo einbüßen zu müssen.

Geschrieben von Martin Dettmar am 15.05.2009.

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